Blutegel, nützliche kleine
Helfer
Yvonne-Christine Helferich, Tierheilpraktikerin und
Pferdetrainerin, März 2003

Blutegel im Aufzuchtbecken
Viele Menschen ekeln sich vor Blutegel. Dabei stammt das Wort
nicht von „ Ekel“ ab, sondern von dem griechischen Wort „Echis“, was soviel wie
kleine Schlange bedeutet. Sein nächster Verwandter ist der Regenwurm. Blutegel
sind nichts, wovor man sich ekeln braucht. Betrachtet man sie genauer, dann
erkennt man eine wunderschöne rotbraune Zeichnung auf ihrem Rücken.
Durch die dreistrahlige
Konstruktion ihres Kiefers können sie fast schmerzfrei die Haut des Patienten
durchtrennen. Der Biß eines Egels sieht auf der Haut wie ein Mercedes-Stern aus.
Der Blutegel auch „Hirudo medicinalis“ (das ist die lateinische Bezeichnung für
den medizinischen Blutegel) genannt, besitzt fünf Augenpaare und an jedem Ende
seines Körpers ist einen „Saugnapf“, mit dem er sich am Patienten festhalten
kann. (Foto links: Blutegel mit der rot-braunen Zeichnung auf seinem Rücken und
den zwei Saugnäpfen)
Dieses Tierchen ist eines der ältesten Heilmittel und erlebt
gerade in der Humanmedizin ein Revival. Aber auch in der ganzheitlichen
Tiermedizin kommt die Blutegeltherapie zum Einsatz. Er wird z. B. nach
Operationen eingesetzt um eine Thrombose zu vermeiden. Überall wo sich
Körperflüssigkeit, Blut oder Lymphe angesammelt hat, kann der Blutegel
angewendet werden. Eine Blutegeltherapie lindert Schmerzen, beseitigt Stauungen
und kurbelt den Stoffwechsel an, wodurch wiederum der Heilungsprozess
beschleunigt wird.
Beim Biß eines Egels wird ein
Wirkstoffcocktail (Saliva=Speichel) durch die kleinen Öffnungen zwischen seinen
Zähnen direkt in die Wunde abgegeben. Dieser Cocktail besteht aus Egline,
Bdeline, Apyrase, Kollagenasen, welche eine spezifische Rolle in der
Entzündungs- und Gerinnungshemmung spielen. Eine histaminähnliche Substanz wirkt
gefäßerweiternd. Der wichtigste Bestandteil des Wirkstoffcocktails ist das
Hirudin, welches eine gerinnungshemmende Wirkung hat. Durch die Sägebewegung
wird der Speichel tief in die Haut eingetrieben. Es kommt dadurch zu einer
Nachblutung, die bis zu 12 Stunden dauern kann. Das Saugen des Egels und das
Nachbluten haben die Wirkung von einem kleinen Aderlass.
Verwendung
in der tiernaturheilkundlichen Praxis:
Zuerst werden die zu
behandelnden Körperstellen rasiert und mit einer Kanüle leicht angeritzt, damit
ein kleiner
Blutstropfen austreten kann.
Dies regt den Appetit der Egel an, sie beißen schneller und müssen sich nicht
erst mühevoll durch das Fell arbeiten. Wichtig ist, daß man die Haut des Tieres
nicht mit Desinfektionsmittel gereinigt, sondern lediglich mit lauwarmen Wasser
spült, da Blutegel den Geschmack von Desinfektionsmittel nicht sonderlich
appetitlich finden.
Nun werden die Egel an der vorbereiteten Stelle
angesetzt. Die Egel setzten sich mit beiden Enden an der Haut fest, so dass es
wie eine Brücke aussieht und beginnen zu saugen. Die Saugtätigkeit erkennt man
an der wellenartigen Bewegung des Körpers. Sie dauert ca. 20 – 60 Minuten. Je
nach Größe saugt ein Blutegel 20 – 50 ml Blut.
Ist der Blutegel „satt“,
fällt er ab. Nun setzt die Nachblutung ein, bei der in etwa die gleiche Menge
fließt wie der Blutegel gesaugt hat. Die Nachblutung sollte nicht gestoppt
werden, es wird lediglich ein leichter Schutzverband angelegt.
Aus
hygienischen Gründen werden Blutegel grundsätzlich nur einmal
verwendet.
Übrigens können Blutegel
bis zu zwei Jahre ohne Nahrung auskommen. Ein Grund hierfür ist ihre langsame
Verdauung.
Anwendungsgebiete der Blutegel in der
Tiermedizin:
Allgemeine Gelenkserkrankungen, wie z.B. Arthritis,
Arthrose, Ohmarthrose, Spat, Podotrochlose (Hufrollenerkrankung), Gonarthrose
(Kniegelenksarthrose), Schale.
Sehnenentzündungen, akute Rehe,
Patellaluxation, Hüftgelenksdysplasie bei Hunden, akute Discophathien,
Spondylosen, lokale Pyodermien, Abszesse, Thrombosen, Furunkel/Karbunkel, Ödeme,
alle Formen von Entzündungsprozessen, allgemeine Entgiftung des Körpers. (Foto
links: Blutegel am Pferd, mit freundlicher Genehmigung von Herrn Grafe von der
ATM in Bad Bramstedt).
Man sieht, es gibt ein weites
Einsatzspektrum für den Blutegel und es gibt keinen Grund sich vor ihnen zu
ekeln.
Einen Dank möchte ich Herrn Roth von der Firma ZAUG GmbH
aussprechen, die mir freundlicherweise die Fotos (außer "Blutegel am Pferd") zur
Verfügung stellte. Mehr Infos zu dem Thema Blutegel gibt es unter http://www.blutegel.de/