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Rabija

Rabija Antigone Boomerang Clown

                          

Der Kauf  meiner Arabervollblut-Stute Rabija war die späte Verwirklichung eines Jugendtraumes – entsprechend sollte das Pferd auch etwas ganz Besonderes sein. Und das ist sie auch: unwahrscheinlich anhänglich (was sicherlich auch mit den Umständen ihrer Geburt zu tun hat, Rabbi ist ein Kaiserschnittfohlen, vom Menschen per Mund-zu-Nase-Beatmung ins Leben geholt), gelehrig, spitzbübisch aber auch sehr sensibel.

Leider verfolgte uns von Anfang an ein wenig das Unglück. Als jüngstes Mitglied in einer grossen Herde hatte sie nicht viel zu sagen und war im ersten Jahr von mehreren Verletzungen geplagt. Gewissenhaft und besorgt wie wir waren, zogen wir natürlich immer einen Tierarzt hinzu, der das Pferd auch sehr gut versorgte. Nur leider wurde meine Kleine mit der Zeit immer anfälliger. Heute bin ich der Meinung, dass das mit ziemlicher Sicherheit auf die diversen Gaben von hochdosiertem Antibiotika zurückzuführen ist, die sie bei den verschiedenen Behandlungen jeweils erhalten hat. Ich möchte damit den Tierärzten bestimmt keinen Vorwurf machen, nur manchmal ist etwas weniger „mehr“. Nachdem Rabija innerhalb eines dreiviertel Jahres zwei leichtere Koliken, eine fieberhafte Infektion (Sommergrippe), Husten und später wieder Husten zusammen mit Fieber hatte, wusste ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Mein Pferdchen hatte von der Gesamtverfassung immer mehr abgebaut und mehrmals versuchte Stabilisierung des Immunsystems mittels Echinacea und anderem Zusatzfutter hatte nichts gebracht. Also kramte ich einen alten Zeitungsartikel über die Pferdetierheilpraktikerin Yvonne-Christine Helferich heraus und setzte mich mit ihr in Verbindung. Die Yvonne kam auch recht schnell und nachdem wir uns einen Nachmittag lang über Rabbi unterhalten hatten (es gab viel zu erzählen), führte sie gleich die erste Akupunktur durch. Zu der Zeit hatte Rabbi gerade mal wieder Fieber überstanden (war weg nach Gabe von Antibiotika) und litt trotz einer Woche Einnahme von Schleimlöser an einen sehr trockenen Husten. Mein Pferdchen war wenig begeistert von den vielen langen Nadeln, aber was hilft’s? Ich wollte ganz bewusst nicht wissen, was Yvonne da akupunktierte, sondern wollte einfach mal abwarten, ob und was da passiert. Der Husten verschlimmerte sich ziemlich (wovor mich Yvonne-Christine schon gewarnt hatte), das Pferd suchte viel Ruhe. Appetit und auch Durst nahmen rapide zu. Gleichzeitig bekam sie ein homöopatisches Mittel zur Entgiftung wegen der vielen Antibiotika und Medikamente, die sie in den Jahren vorher erhalten hatte.

Eine Woche nach der ersten Akupunktur war Rabbi sehr kurzatmig. Als ich sie ein wenig longierte, gab es kaum eine Runde ohne starken Husten. Sie musste sich recht quälen und tat mir von Herzen leid. Yvonne rückte wieder mit ihren Nadeln an und akupunktierte zum zweiten Mal. Kurz nach dem Nadeln hörte sich der Husten zunehmend verschleimter an. Beim kurzen Spaziergang danach bekam sie einen sehr starken Hustenanfall, bei dem sie einen knödelgrossen Schleimklumpen übers Maul abhustete. Ich war platt angesichts soviel Schleim auf einmal! Danach konnte man sichtlich auch  Rabbis Erleichterung spüren. Die Kurzatmigkeit lies in den folgenden Tagen wieder nach, der Husten blieb, war aber nicht mehr so quälend. Ausserdem zeigte sich immer wieder ein leichter Schleimfluss aus der Nase. Nach einigen Tagen hörte ich mein Pferd überhaupt nicht mehr husten, sie fing wieder an, kräftig abzuschnauben, was sie seit Wochen nicht mehr getan hatte. Ihr Blick wurde zunehmend wacher und ihr Stoffwechsel schien auf Hochtouren zu laufen. Hunger hatte mein Pferd ja schon immer, aber in letzter Zeit schien sie auch bedeutend mehr zu trinken als früher. Entsprechend produzierte sie auch mehr „Mist“ als vorher.

Da ab und zu noch etwas Schleim aus der Nase kam, beschlossen, wir, noch ein drittes Mal zu akupunktieren. Danach löste sich nochmals Schleim, der Husten war aber weg. Die Gesamtkonstitution meines Pferdes war so gut wie schon lange nicht mehr: Sie hatte unwahrscheinlich viel Blödsinn im Kopf, steckte voller Energie und schien unsere Ausflüge ins Gelände wieder voll zu geniessen. Ausserdem  setzte bei ihr bereits der Fellwechsel ein, was bei ihr absolut ungewöhnlich für Mitte Februar war, da sie meist extrem spät zu wechseln begann. Die grösste Überraschung (sozusagen eine Nebenwirkung) war, dass sich ihre beiden Überbeine, die sich im Lauf des letzten Jahres an ihren beiden Vorderbeinen gebildet hatten, wieder verkleinert hatten.

Insgesamt machte mein Pferdchen inzwischen eine so gute Figur wie seit langem nicht mehr. Bei Stallarbeiten war sie nicht mehr abzuschütteln, ihr saß wieder der Schalk im Nacken und auch in der Herde lies sie sich nicht mehr alles gefallen. Einige Male habe ich sie dabei erwischt, wie sie andere Herdenmitglieder ziemlich energisch anging. Früher hätte sie dabei den Kürzeren gezogen.

Yvonne-Christine hat dann noch ein Konstitiutionsmittel für Rabbi gefunden, das sie erst in niedriger, inzwischen in hoher Potenz in regelmässigen Abständen erhält. Bis jetzt ist ihre Gesamtverfassung  weiterhin sehr gut und ich gehe nicht mehr jeden Tag mit einem mulmigen Gefühl im Magen in den Stall, aus Angst, es könnte ihr schon wieder schlechter gehen. Ich denke, den Anfang für Rabbis gesundes Leben haben wir jetzt gemacht. Tierärzte sind wichtig und notwendig, kein Zweifel. Bei einigen Sachen wie Operationen u.ä. kann nur ein Fachtierarzt helfen. Aber viele Krankheiten oder Kränkeleien kommen aber tiefer aus dem Wesen. Der Tierarzt behandelt die Symptome, der Heilpraktiker versucht das Ganze zu sehen und in Ordnung zu bringen. Wunder vollbringen kann niemand, aber oft ist es verwunderlich, was mit den einfachen Mitteln der Natur so ganz ohne Chemie am Ende bewirkt werden konnte. Hätte ich den Weg zur Yvonne-Christine schon eher eingeschlagen, wäre meiner Süssen vielleicht einiges erspart geblieben!

Grüsse von Rabija und Heike                                                        09.04.2004